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In Teplice (früher Teplitz oder Teplitz-Schönau) lebte Ende des 19. Jahrhunderts die zweitgrößte jüdische Gemeinde Böhmens.

Die heilenden Thermalquellen besuchten im 18. und 19. Jahrhundert Prominente aus ganz Europa, auch Johann Wolfgang von Goethe und Ludwig Beethoven.


Erinnerung an die Neue Synagoge

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Prachtvolle Dominante der Stadt wurde 1882 die Neue Synagoge mit 1.500 Plätzen - damals größte Synagoge Böhmens. Nach den Pogromen 1938 verließen etwa 7.000 Teplitzer Juden die Region. Die meisten sicher in Richtung Prag. Denn die Deutschen marschierten in die sogenannte »Rest-Tschechei« erst ein Jahr später ein.

Die Teplitzer Juden hinterließen ein beträchtliches Vermögen. Von den über 200 großen Unternehmen gehörte mehr als ein Drittel Juden. Fast alle Ladengeschäfte waren jüdisch. Circa 500 Villen und 300 Wohnungen standen nun leer. Kaum ein Besitzer kehrte nach dem Krieg zurück.

In der Nacht vom 14. auf den 15. März 1938 wurde die Neue Synagoge in Brand gesetzt und Ende des Jahres abgerissen. Seit 1995 steht in der Nähe ein filigranes Denkmal. Der Original-Standort ist gewerblich bebaut und liegt etwas oberhalb.

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Judenviertel und Alte Synagoge (nicht mehr zu lokalisieren)

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Das ehemalige Teplicer Judenviertel mit seinen engen Gassen und der Alten Synagoge überlebte den Zweiten Weltkrieg und wurde erst 1951/52 dem Erdboden gleich gemacht. Anschließend gestaltete man auf der freien Fläche den Mirové Náměstí (Platz des Friedens). Die Plastik im runden Beet rechts auf dem Fotos heißt laut Denkmal-Verzeichnis drobnepamatky.cz »Příští rok v Jeruzalémě«, übersetzt »Nächstes Jahr in Jerusalem«. Der Online-Stadtführer audioteplice.cz verortet das jüdische Viertel allerdings ein paar hundert Meter weiter, nämlich dort, wo früher ein großer Parkplatz und jetzt die Einkaufpassage »Galerie Teplice« ist.

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Alter jüdischer Friedhof (zerstört) an der Kirche Sv. Bartoloměje

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Der Alte jüdische Friedhof liegt auf dem Plateau zwischen der 1938 zerstörten Neuen Synagoge und der Kirche St. Bartholomäus und wurde zwischen 1939 und 1945 vollständig zerstört. Von den 929 Gräbern, angelegt bis 1862, ist nichts mehr zu sehen. Die Fläche ist begehbar und wird einigermaßen von Wildwuchs freigehalten.

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Kirche Sv. Bartoloměje mit Ausstellung über das jüdische Leben in Teplice

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Die Kirche St. Bartholomäus stand in unmittelbarer Nachbarschaft zur 1938 zerstörten Neuen Synagoge und wurde etwa zur gleichen Zeit fertig (Fertigstellung der Kirche 1884, Kirchturm 20 Jahre später). Das protestantische, zeitweise hussitische Gotteshaus ging 1990 an einen privaten Investor, der dort zunächst ein Restaurant und eine Diskothek betrieb. Heute ist der untere Kirchenraum als Café eingerichtet. Die Empore widmet sich in einer kleinen dreisprachigen Dauerausstellung (cz/de/ru) sieben Jahrhunderten jüdischen Lebens in Teplice. Daneben werden einhundert Papiermodelle bekannter Gebäude Europas und Tschechiens gezeigt.

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Bartholomeus GALLERY CAFÉ:
https://visitteplice.com/visit-teplice/galerie-bartholomeus--p23.html


Neuer jüdischer Friedhof im Nordwesten

Der Neue jüdische Friedhof wude 1862 im Nordwesten der Stadt Teplice als Teil des städtischen Friedhofs gegründet, nachdem man den Alten jüdischen Friedhof (s.o.) geschlossen hatte. Der neue Friedhof zählt ca. 3.500 Grabstellen. Er wurde während der NS-Zeit verwüstet und in den Jahren 2001/2002 rekonstruiert. 


Jüdischer Friedhof im Ortsteil Sobědruhy | Synagoge zerstört 

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Eine zweite, sehr alte jüdische Gemeinde gab es im Dorf Sobědruhy (früher Soborten), etwa eine halbe Stunde zu Fuß außerhalb von Teplice in Richtung Bohosudov. Der 1669 gegründete Friedhof liegt direkt an der Haupt-Einfallsstraße. Ca. 200 Gräber sind erhalten geblieben. Ein stabiler Zaun schützt vor Vandalismus. Bis 1751 wurden auch Dresdner Juden in Sobědruhy beerdigt. Denn einen eigenen Friedhof bekamen sie erst zur Zeit August des Starken in der Dresdner Neustadt. An die Synagoge im Zentrum von Sobědruhy erinnert heute nur noch eine Baulücke. Das Gebäude wurde nach Kriegsende (vor 1958) beseitigt.

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Teplice heute

Die heilenden Thermalquellen von Teplice (früher Teplitz oder Teplitz-Schönau) besuchten im 18. und 19. Jahrhundert Prominente aus ganz Europa, auch Johann Wolfgang von Goethe und Ludwig Beethoven. Heute kommt etwa ein Viertel der Kurgäste aus arabischen Ländern wie Kuweit, Bharein oder Saudi-Arabien. Burkas gehören zum Stadtbild. Der Bau einer großen Moschee wurde bisher allerdings trotzdem nicht realisiert, weil die meisten Teplicer dagegen waren.


Wo Teplice liegt