Foto

Eine Straße mit Namen "Žižkova" erinnert an den Hussitenführer Jan Žižka (1360-1424). Jan Hus hatte im 15. Jahrhundert in Böhmen die Reformation eingeführt. Der Reformator Jan Hus lebte etwa einhundert Jahre vor Luther. Denkmäler von Jan Hus und Straßen, die nach hussitischen Persönlichkeiten benannt sind, findet man in Tschechien überall.

Legendär sind in Sachsen die Überfälle der Hussiten im 15. Jahrhundert. Gleichzeitig unternahmen Sachsen nach Böhmen Kreuzzüge. Der Zwist endete mit einem Ausgleich, mit dem die hussitische Religion in Böhmen akzeptiert wurde.

Nach der Schlacht Weißen Berg bei Prag im Jahr 1620 wurde das bis dahin relativ tolerante Böhmen von den Habsburgern gewaltsam rekatholisiert. Die Gegenreformation zwang böhmische Protestanten ins Exil nach Sachsen.

Heute berufen sich in Tschechien die Böhmischen Brüder und die Neuhussiten auf Jan Hus.


Foto

Die überlebensgroßen Heiligen, die in Nordböhmen an der Straße stehen, stammen meist aus der Zeit der katholischen Gegenreformation.

Nach dem Sieg der katholischen Habsburger 1620 in der Schlacht am Weißen Berge begann in Böhmen die Gegenreformation. Böhmen sollte wieder katholisch werden. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts wurden an Straßen und Wegen, Brücken und Marktplätzen katholische Heiligenfiguren aufgestellt, die die katholische Kirche das ganze Jahr über in ihre Andachten und Prozessionen einbezog.


Rochus oder Nepomuk?

Foto

Wichtig für die Diagnose sind die typischen Attribute der Heiligen. Ohne seine fünf Sterne über dem Kopf ist auf dem Bild oben der Heilige Nepomuk schwer zu erkennen. Da könnte es auch der Heilige Rochus sein, der Schutzpatron der Pestkranken und der Haustiere. Und der Hund zu seinen Füßen - oder ist es doch ein Schaf? - brachte dem kranken Rochus der Legende nach das Brot und rettete ihm sein Leben. Trotzdem: Es ist wieder ein Nepomuk.

Am häufigsten trifft man in Böhmen auf den Heiligen Nepomuk, auf Antonio von Padua und auf Franz-Xaver. Mit diesen drei Heiligen liegt man meistens richtig.


Heiliger Nepomuk

Foto

Der Heilige Nepomuk ist meistens an den fünf Sternen zu erkennen, die ihn wie einen Heiligenschein umgeben. Die Sterne symbolisieren die fünf Buchstaben des lateinischen Wortes "tacui" (ich habe geschwiegen). Nepomuk gilt als Brückenheiliger und als Patron des Beichtgeheimnisses. Als Johannes von Nepomuk  in die Moldau gestürzt wurde, erschienen sie als himmlisches Zeichen seiner Heiligkeit. Johannes Nepomuk war Priester. Er lebte im 14. Jahrhundert und wurde 1729 von Papst Benedikt XIII. heiliggesprochen.
 


Heiliger Antonius von Padua

Foto

Der Heilige Antonius von Padua (1195–1231) war ein Franziskanermönch, der schon zu Lebzeiten als Prediger berühmt wurde. Der Überlieferung nach hörten ihm sogar die Fische andächtig zu. Meist trägt er ein Jesuskind auf dem Arm und in der Hand eine Lilie. Er wird zum Beispiel bei der Suche nach verlorenen Gegenständen angerufen und um Hilfe gebeten.


Heiliger Franz Xaver

Foto

Francisco de Xavier oder auf Deutsch: der Heilige Franz Xaver (geboren 1506 in Spanien, gestorben 1552 in China) wird meist mit Kreuz und flamendem Herzen dargestellt. Denn er war ein glühender Missionar. Franz Xaver ist Mitbegründer des Jesuitenordens, der in der Zeit der Lutherischen Reformationsbewegung die katholische Kirche erneuern, ausbreiten, festigen und gegen protestantischen Strömungen verteidigen wollte.


Foto

Auf dem oben abgebildeten tschechischen Denkmal beginnt der Zweite Weltkrieg im Jahr 1938 und nicht erst 1939. Denn am 1. Oktober 1938 sind die Deutschen in die Tschechoslowakei einmarschiert. Die Annektierung der Sudetengebiete war zwar damals vom Münchner Abkommen gedeckt, unterzeichnet von England, Italien und Frankreich. Aber die tschechische Regierung in Prag hatte dem Abkommen nicht zugestimmt. Sie war bei der Konferenz gar nicht dabei gewesen.

England und Frankreich hatten die Hoffnung gehabt, Hitler ließe sich mit dem Münchner Abkommen zufriedenstellen und in seinem Expansionsdrang bremsen. Am 14. März 1939 jedoch drängte NS-Deutschland die Slowaken zur Abspaltung und besetzte die sogenannte »Rest-Tschechei«, danach nur noch »Protektorat Böhmen und Mähren«.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden fast alle Deutschsprachigen - etwa drei Millionen Menschen - von den Tschechen aus dem Land vertrieben. Zunächst "wild", danach in geordneterer Weise gemäß den heute noch gültigen Dekreten des Präsidenten Edvard Beneš.


Foto

Am 14. und 15. März 1939 besetzte die deutsche Wehrmacht die sogenannte »Rest-Tschechei« und erklärte das Gebiet zum »Protektorat Böhmen und Mähren«. Zuvor hatte das Deutsche Reich die Abtretung des Sudetenlands erzwungen. Der slowakische Teil der 1918 gegründeten Tschechoslowakischen Republik spaltete sich unter Hitlers Druck ab und funktionierte bis Kriegsende als Satellitenstaat des Deutschen Reichs.

 Bildnachweis XrysD, Protektorat Böhmen-Mähren, CC BY-SA 3.0


Reichsgau Sudetenland

Foto

Als »Sudetenland« bezeichnete man schon 1918 die Grenzgebiete der damaligen Tschechoslowakei, wo überwiegend Deutsch gesprochen wurde. Im Münchner Abkommen von 1938 wurde das Sudetenland gegen den Willen der Prager Regierung dem Deutschen Reich zugesprochen. Vom 1. Oktober bis zum 10. Oktober 1938 besetzte die deutsche Wehrmacht das Gebiet. Für die Festlegung der Grenzen des neuen »Reichsgau Sudetenland« spielten nicht nur die Zusammensetzung der Bevölkerung sondern auch wirtschaftliche und strategische Gesichtspunkte eine Rolle.

 

Foto

Bildnachweis XrysD, Sudetenland, CC BY-SA 3.0
Bildnachweis Reichsgaue, CC BY-SA 3.0