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Als während der Novemberpogrome 1938 überall in Deutschland die Synagogen brannten, waren auch die böhmischen Grenzgebiete betroffen. Denn die deutsche Wehrmacht hatte die Region kurz vorher besetzt. Dass die Synagoge im damaligen Bodenbach zwar verwüstet aber nicht angezündet wurde, lag an Bürgermeister Anton Kreißl, Mitglied der NSDAP und der SS. Er befürchtete ein Übergreifen der Flammen auf die Nachbarhäuser. 

In den kommenden Jahren überließ man die ausgeräumte Synagoge der Wehrmacht als Lager, Hitlerjungen bauten hier Flugzeugmodelle. Immer wieder gab es Forderungen, die Synagoge endlich abzureißen. Ob dazu wirklich die Arbeitskräfte fehlten, wie der nachfolgende Bürgermeister Julius Stumpf anführte, ist nicht bekannt. Das Jugendstilgebäude wurde in den 1990er Jahren restauriert und wird auch für Ausstellungen und Konzerte genutzt. Die Děčíner jüdische Gemeinde zählt heute nur noch ca. 130 Gläubige. 

Der jüdische Friedhof, ein paar Kilometer elbaufwärts, wurde 1952 zusammen mit dem angrenzenden christlichen Friedhof aufgelöst. Beide Friedhöfe liegen heute unter einem weitläufigen Industriebetrieb. Die jüdischen Gräber wurden auf einen neuen jüdischen Friedhof im Ortsteil Folknaře verlegt, der allerdings schon 1970 ersatzlos in Gartenland umgewandelt wurde.

Bildnachweis Ondrej.konicek, Decin synagoga, CC BY-SA 3.0 

Webseite der Děčíner Synagoge zidovskaobecdecin.wz.cz

Lage des verlorenen alten jüdischen Friedhofs auf www.znicenekostely.cz

Lage des verlorenen neuen jüdischen Friedhofs auf www.znicenekostely.cz