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Bis zur Besetzung des böhmischen Grenzgebiets durch die Nationalsozialisten zählte Bohosudov (damals Mariaschein) zu den bedeutendsten Wallfahrtsorten Mitteleuropas.

Der Wallfahrtsort Mariaschein entstand vor etwa 600 Jahren nach einer Schlacht zwischen Hussiten und Katholiken. Die ersten »Reisenden zur elenden Maria von Graupen« kamen aus Zittau und besuchten das Gräberfeld ihrer Gefallenen. Später entwickelte sich eine Wallfahrtskultur, die erst 1938 mit dem Einmarsch der Deutschen ins sogenannte Sudetenland ihr Ende fand. Mariaschein wurde zur NS-Polizeischule. Im Sozialismus dienten die Gebäude im heutigen Krupka (früher Graupen) als russische Kaserne.

Um die barocke Wallfahrtskirche verläuft ein großzügig angelegter ovaler Kreuzgang mit sieben Kapellen, die sich den sieben Schmerzen Marias widmen. Das Gnadenbild der Schmerzhaften Mutter Gottes auf dem Hauptaltar der barocken Basilika erinnert an die wundersame Rettung einer Jungfrau. Der Ort steht aber auch mit einer Hussitenschlacht in Verbindung, bei der im Jahr 1426 der Überlieferung nach 300 Katholiken aus Zittau ums Leben gekommen sind.

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Mariaschein (Bohosudov) hatte seine letzte große Blütezeit in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts, als der böhmische Wallfahrtsort sein 500jähriges Jubiläum mit einem Marianischen Kongress feierte. Der Legende nach hatte im Jahr 1425 eine im Baum versteckte Marienfigur - eine kleine mittelalterliche Pietà - mit ihrem "Schein" ein Mädchen vor einer Schlange bewahrt. Die Pietà wurde bald als wundertätiges "Gnadenbild" zum Pilgerziel.

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Nach dem Einmarsch der Deutschen 1938 wurden alle Wallfahrten, auch die nach Mariaschein, verboten. In der Mariaschein angegliederten Jesuitenschule richteten die Nationalsozialisten eine NS-Polizeioffizier- und Schutzpolizeischule ein. Nach dem Krieg wurde Bohsudov Internierungslager unter anderem für tschechische Jesuiten, 1969 dann russische Kaserne. Das ehemalige Priesterseminar beherbergt heute ein katholisches Gymnasium. Aus der Lausitz und aus Dresden finden seit der Wende wieder kleine Pilgerfahrten nach Mariaschein statt.

Chronik des Wallfahrtsortes

  • 1421 Hussitenüberfall in Světec/Schwaaz bei Teplice, Plünderung des dortigen Klosters, Nonnen verstecken das spätere Gnadenbild am Ort der heutigen Wallfahrtsortes

  • 1425 Wunderrettung eines Mädchens, nach der Legende wird 1425 im Ort "Scheune" eine erste hölzerne Kapelle gebaut.

  • 1426 Hussitenschlacht bei Bohosudov/Mariaschein, Niederlage der Katholiken, 300 gefallene Krieger aus der Zittauer Gegend, erste "Reisen" von Zittau zum Gräberfeld

  • 1507 Erster Ablass, der Vatikan erklärt Bohosudov/Mariaschein zum Wallfahrtsort

  • 1618-48 Dreißigjähriger Krieg, Mariaschein wird mehrmals geplündert, das Gnadenbild nach Prag gerettet.

  • 1620 Beginn der Gegenreformation, die Jesuiten machen Mariaschein Bohosudov/Mariaschein zu einem der berühmtesten Marienwallfahrtsorte Mitteleuropas.

  • 1780 Toleranzedikt von Joseph II., Verbot von Prozessionen zu sogenannten „Gnadenorten“ wie Mariaschein.

  • 1925 »Marianischer Kongress«, 1925 feiert Mariaschein sein 500-jähriges Jubiläum. Letzte Blütezeit.

  • 1938 Verbot der Wallfahrten, im Gymnasium wird eine NS-Polizeioffizier- und Schutzpolizeischule eingerichtet.

  • 1945/46 Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung

  • 1950 Internierungslager, Bohosudov/Mariaschein wird Internierungslager u. a. für tschechische Jesuiten.

  • 1969 Russische Kaserne, nach dem Prager Frühling werden in Bohosudov russische Soldaten stationiert.

  • Aus der Lausitz und aus Dresden finden immer noch kleine Pilgerfahrten statt. Das ehemalige Priesterseminar beherbergt jetzt ein katholisches Gymnasium.

  • Nach Bohosudov (Mariaschein) pilgerte man früher zum Tag der Maria Geburt am 8. September. Während die Pilger aus dem Schluckenauer Gebiet direkt an dem Tag kamen, reisten die Oberlausitzer meist schon am Wochenende vor dem Feiertag an. Beliebt war außerdem der Feiertag der Schwerzhaften Mutter Gottes am 15. September.

INFO

GEÖFFNET: täglich außer Mo+Do 9:00–15:30 h | Falls trotzdem geschlossen: +420 606 329386 anrufen

ADRESSE: Krupka/Ortsteil Bohosudov, Tschechien

ANFAHRT: mit dem Zug bis zum Bahnhof Bohosudov, dann etwa 2 km zu Fuß in den Ort hinein, blaue Wandermarkierung

www.viamariana/bohosudov

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