Die VIA MARIANA bewegt sich im sächsisch-böhmischen Grenzgebiet zwischen Dresden und Prag. Im Mittelpunkt stehen der einst berühmte böhmische Wallfahrtsort Bohosudov (früher Mariaschein) und die Mariascheiner Pietà. Bohosudov liegt am Fuß des böhmischen Erzgebirges in der Nähe von Teplice.

Mariascheiner Pietà

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Entlang historischer Pilgerstrecken nach Mariaschein (jetzt Bohosudov) trifft man immer wieder auf Mariascheiner Pietàs. Die VIA MARIANA führt zu Wallfahrtsorten im Grenzgebiet, zu Kirchen, Synagogen, Kapellen und Kreuzwegen, zu Heiligenskulpturen, Wegkreuzen und Mariensäulen.

Frömmigkeit und Atheismus

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Tschechien zählt zu den atheistischsten Ländern der Welt. Auch Sachsen gilt als religionsfern. Orte, die in alten Zeiten als heilig galten, wirken heute manchmal fremd und fast deplatziert. Besonders im böhmischen Grenzgebiet, wo nach dem Zweiten Weltkrieg die streng katholische Bevölkerung fast vollständig ausgetauscht wurde.

Glaubenskämpfe

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Sachsen und Böhmen bekämpften und bekriegten sich im Namen der Religion immer wieder. Im ausgehenden Mittelalter gab es den Konflikt zwischen Katholiken und Hussiten. Später zwischen Protestanten und Katholiken. Legendär sind in Sachsen die Überfälle der böhmischen Hussiten im 15. Jahrhundert. Gleichzeitig unternahmen die Sachsen nach Böhmen Kreuzzüge. Nach der Schlacht Weißen Berg bei Prag im Jahr 1620 wurde das bis dahin relativ tolerante Böhmen von den Habsburgern gewaltsam rekatholisiert. Diese sogenannte Gegenreformation zwang böhmische Protestanten ins Exil nach Sachsen.

Beispiel Mariaschein (heute Bohosudov)

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Mariaschein (heute Bohosudov) entstand vor fast 600 Jahren im Zusammenhang mit einem katholischen Kreuzzug aus Zittau nach Graupen (heute Krupka). In der Schlacht gegen die Hussiten starben etwa 300 Zittauer Kämpfer. Die ersten "Reisenden zur elenden Maria nach Graupen" sind schon im 15. Jahrhundet bezeugt. Dies waren keine Pilger sondern Zittauer, die das Gräberfeld ihrer Gefallenen besuchten. Der Legende nach geschah ungefähr gleichzeitig ein Marienwunder, das aus dem bescheidenen Ort "Scheune" später den großen Wallfahrtsort machte.

Das Ende der großen Pilgerfahrten

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Aus allen Himmelsrichtungen und auf vielen verschiedenen Wegen strömten die Gläubigen früher nach Mariaschein. Sogar August der Starke pilgerte von Dresden über den Erzgebigskamm, als er sich zum Katholizismus bekannt hatte, um König von Polen zu werden. Das Ende der großen Wallfahrtskultur Mariascheins kam 1938 mit dem Einmarsch der Deutschen ins sogenannte Sudetenland. Pilgerprozessionen wurden verboten, Mariaschein eine NS-Polizeischule.

Übersichtskarte auf Mapy.cz

Die rote Stecknadel markiert Bohosudov (Mariaschein). «Zobrazit na Mapy.cz» öffnet die Karte in einem neuen Fenster.