Die VIA MARIANA führt ins einst überaus fromme böhmische Grenzgebiet. Zum Beispiel nach »Mariaschein«. So nannte man bis 1945 den nordböhmischen Marienwallfahrtsort »Bohosudov«. Zu Blütezeiten pilgerten jedes Jahr Hunderttausende dorthin. Aus allen Himmelsrichtungen. Heute ist Mariaschein stark renovierungsbedürftig und fast vergesssen. So wie viele andere spirituelle Orte zwischen Dresden und Prag.

 

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NS-Polizeischule und russische Kaserne

Der Wallfahrtsort Mariaschein entstand vor fast 600 Jahren im Zusammenhang mit einer Hussitenschlacht. Die ersten Reisenden zur "elenden Maria von Graupen" waren Katholiken aus Zittau, die das Gräberfeld ihrer Gefallenen besuchten. Das abrupte Ende der großen Wallfahrtskultur von Mariaschein kam 1938 mit dem Einmarsch der Deutschen ins sogenannte Sudetenland. Pilgerprozessionen wurden danach verboten, Mariaschein zu einer NS-Polizeischule. Später dienten die Gebäude als russische Kaserne.

 

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Pilgerwege, die kaum einer mehr geht

Die VIA MARIANA steuert Wallfahrtsorte an, die kaum jemand mehr kennt. Entlang der alten Pilgerstrecken nach Mariaschein trifft man jedoch auch heute immer noch auf Mariascheiner Pietàs. Am Weg liegen alte Kreuzwege und Kapellen, zugewachsene Marienbrunnen, Friedhöfe und barocke Heiligenskulpturen. In manchen Kirchen bekommt man heute Kaffee verserviert oder Kinofilme gezeigt. 

 

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Pracht und Verfall

Man ahnt, dass im Grenzgebiet vieles überhaupt gar nicht mehr da ist. Tatsächlich ging während des Sozialismus in den ehemaligen Sudetengebieten der Abrisshammer um. In den 50er und 60er Jahren wurden viele Kirchen und Synagogen, die marode geworden waren, gesprengt.

 

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Tschechen, Juden und Deutsche

In Böhmen sprach bis 1945 etwa ein Drittel der Bevölkerung Deutsch. Die meisten »Deutschböhmen« lebten in den Grenzgebieten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie vertrieben. Die jüdischen Bewohner waren schon in den Jahren davor aus dem »Sudetengau« und aus dem »Protektorat Böhmen und Mähren« geflohen oder von den Nationalsozialisten ermordet. Die Neubesiedlung der teilweise hochindustialisierten böhmischen Randgebiete ging danach nur schleppend voran. Gebäude blieben leer und verfielen, auch viele Fabriken. In den Städten wurden ganze Wohnviertel und Straßenzüge abgerissen. 

 

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Frömmigkeit und Atheismus

Nach der Wende bekamen halb eingestürzte Kirchen im letzten Moment mit Hilfe von EU-Geldern ihr rettendes Dach. Martern wurden frisch vergoldet, Friedhöfe umzäunt, Nepumuks denkmalgerecht repariert und Marienstatuen neu bemalt. All dies bleibt jedoch seltsam fremd. Denn Tschechien zählt heute zu den atheistischsten Ländern der Welt.